Die Geschichte des Glases

Vom Ursprung bis zur Gegenwart Laut einer Erzählung von Plinius war das Glas eine Zufallsentdeckung einiger phönizischer Händler, die um das Jahr 5.000 v. Chr. am Ufer des Belo-Flusses in Syrien von Bord gingen und ein Lagerfeuer anzündeten und zum Abstützen ihrer Töpfe Nitratblöcke verwendeten, die sie an Bord transportierten.

"...das Natron schmolz in der Glut des Feuers und, als es sich mit dem Sand des Strandes vermischte, war eine durchsichtige Flüssigkeit zu erkennen, die sich aus diesem Gemisch gebildet hatte..."

Dies ist wahrscheinlich eine Legende, die entstanden ist, weil viele antike Glashütten oder auch Glashersteller aus der Zeit von Plinius den Sand von den Ufern des Belo zu holen pflegten.

Die Römer trugen sehr viel zur Entwicklung der Glasindustrie bei. Um 100 v.Chr. wurde die Technik des Glasblasens in Formen entwickelt, wodurch die Palette der möglichen fertigen Produkte enorm bereichert wurde. Sie verwendeten als Erste das Glas für die Herstellung von Fenstern. Cicero schreibt: "... arm kann man jemand nennen, der kein Haus besitzt, das mit Glasplatten verkleidet ist."

Die Entwicklung der Glasindustrie war so enorm, das im Jahr 200 n. Chr. Kaiser Severus , im Rahmen einer groß angelegten Aktion der Moralisierung der Sitten eine Steuer auf Glasprodukte einführte.

Aber in der Geschichte gab es mehr Steuerbefreiungen als bezahlte Steuern; im nachfolgenden Jahrhundert haben Konstantin und Konstanz die Glasmacher von allen Steuern und Steuererhöhungen befreit. Um 500/600 n. Chr. wurde ein neues Verfahren erfunden: Zunächst wurde eine Glaskugel geblasen, dann folgte das Aufweiten der Kugel die durch rasches Drehen im Ofen zum Flachglas wurde. Bis zum 19. Jahrhundert wurde der größte Teil des Flachglases mit diesem System hergestellt. Der Mittelpunkt der Scheibe wurde "Butzen" genannt, die Scheiben (das Butzenglas) wurden in Blei gefasst und für die typischen Glasfenster verwendet.

Daran erinnert das gewalzte Pressglas. Einige Historiker schreiben, dass die Kreuzfahrer aus dem Orient die Glaskunst nach Venedig gebracht hätten, wo sie sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts etablierte.

Weil die Öfen sehr oft Brände auslösten, hat ein Dekret des Obersten Rates aus dem Jahr 1291 die Verwendung von Brennöfen auf die Insel Murano verbannt.

Diese Einschränkung hatte zum Zweck, eine strenge Kontrolle durchzuführen, um zu verhindern, dass die Geheimnisse der Glaskunst exportiert werden könnten.

Ein Glasarbeiter, der sich ins Ausland begeben hätte, wäre schwersten Strafen unterzogen worden, hätte zurückkehren müssen, seine Familie wäre verhaftet worden, und..." wenn er, trotz der Verhaftung seiner Verwandten, darauf beharrte, im Ausland zu bleiben, würde ein mutiger Mann beauftragt werden, ihn umzubringen..".

Es entwickelt sich so eine Industrie, die über Jahrhunderte aus Murano ein Synonym für die Glaskunst machte. Auch heute noch ist die Insel eines der größten Zentren dieser Kunst. In Murano wurde eine Zusammensetzung des Glases entwickelt, das wegen seiner außergewöhnlichen Klarheit "KRISTALL" genannt wurde. 1665 gewährt Colbert der "Manufacture Royale des Glaces" Privilegien für die Herstellung des Gussglases. So entstand SAINT GOBAIN.

Nach einem anfänglichen unglücklichen Versuch, venezianische Glasarbeiter anzuwerben, die sich mehr durch ihre Streitlust und Habgier, als durch professionelles Können auszeichneten, begann für das neue Unternehmen eine Entwicklung, die es zum führenden europäischen Produzenten von Flachglas gemacht hat. Die Schutzbestimmungen zu seinen Gunsten waren außerdem sehr wirksam.

Neben den hohen Zöllen für aus Venedig importiertes Glas galt für die Arbeiter: Das Privileg, nach 8 Jahren Aufenthalt die französische Staatsbürgerschaft zu bekommen; das Privileg, nicht der regulären Justiz, sondern dem Rat des Königs zu unterliegen; das Privileg, Rohstoffe zu sammeln; das Privileg der Befreiung von allen Steuern.

Im Jahr 1700 entwickelte SAINT-GOBAIN das Verfahren für die Produktion von großen Platten aus Gussglas auf Gießtischen, das mit einer großen Rolle gewalzt und danach an der Oberfläche poliert wird. Es entsteht das Flussglas, das, nach weiteren Verbesserungen, drei Jahrhunderte lang das Produkt sein wird, das SAINT GOBAIN kennzeichnet. 1959 werden die ersten Experimente mit FLOAT-GLASS (PILKINGTON) durchgeführt.

In der Folge beginnt im Werk von Saint-Gobain in Pisa im Jahr 1964 die Errichtung der ersten Float-Glass-Anlage in Kontinentaleuropa. 1965 beginnt die Fabrikation.

Das Glas ist so ins Leben, in die Geschichte und in das Märchen eingetreten. Von den Schuhen Aschenputtels zum Sarg Schneewittchens, eine der berühmtesten Herstellungen von Glasschuhen wurde im 16. Jahrhundert mit den Schuhen für Anna von Poitiers verwirklicht.

Über die Herstellungsmethode hinaus ist das Glas eine kompakte Lösung, die aus der allmählichen Verfestigung von verschmelzendem homogenen Gemischen, vor allem von Silizium, Natriumkarbonat und Kalzium, ohne Spuren von Kristallbildung hervorgeht.

Um Glas herzustellen, müssen drei Basisbestandteile verschmolzen werden: EIN GLASBILDENDENS ELEMENT ist Silizium, in Form von Sand; EIN SCHMELZENDES ELEMENT ist Natriumkarbonat oder Kalium, in Form von Sulfat oder Karbonat (senkt die Schmelztemperatur von Silizium); EIN STABILISIERENDES ELEMENT ist Kalzium in Form von Karbonat (verleiht dem Glas eine größere Widerstandskraft gegen Wassereinwirkung).

Diese drei Komponenten sind in der Tat in den Glaszusammensetzungen seit jeher enthalten. Das zur Zeit modernste Glas ist mit einem Produktionsumfang von Tausenden von Tonnen pro Tag das FLOAT GLASS.

Das so hergestellte Glas findet dank seiner extremen Vielseitigkeit und der Fähigkeit geschnitten, geschliffen, warm geformt und gehärtet zu werden, eine immer weiter verbreite Anwendung im Bauwesen, in der Industrie und für die Mode. Es erhält in seiner Struktur, direkt oder in Form von Oxiden, praktisch alle Elemente des Periodensystems und verändert in unterschiedlichen Maßen seine Eigenschaften.

Die Zugabe spezieller gelöster oder im kolloidalen Zustand in der Masse verteilter Metallverbindungen verleiht dem Glas die Fähigkeit, selektiv die Lichtstrahlung und somit auch die Farbe zu absorbieren. Je nach verwendeter Metallverbindungen erhält man unterschiedliche Färbungen des Glases (Grün, Grau, Bronzefarben, Blau, etc.).

Mit seinen besonderen Eigenschaften, wie Transparenz und Oberflächenhärte, ist das Glas im Baugewerbe die beste Antwort auf das Bedürfnis nach Kontakt mit der Außenwelt, entspricht aber gleichzeitig auch dem typischen Wunsch des modernen Menschen, von dieser abgeschirmt zu werden.

Das Glas wird in zunehmendem Maß in die Gebäudestrukturen einbezogen und trägt oft überwiegend dazu bei, die mechanischen, akustischen und wärmetechnischen Eigenschaften zu bestimmen. Über Jahrhunderte hat die Herstellungstechnologie die aus Glas hergestellten Projekte bestimmt. Die Architektur war bis 1800 eine Neubearbeitung der Stile der Vergangenheit. Ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts lässt sich erkennen, dass in der Geschichte das Glas zum wichtigsten Bestandteil der Entwicklung der Architektur geworden ist.

Die Kombination von Stahl und Glas wird von großen Wegbereitern in der Architektur dafür verwendet, um absolut revolutionäre Werke zu erschaffen. Es verändert das Konzept radikal.

Das ursprünglich ausschließlich als Ausfachungsmaterial verwendete Glas ist zu einem primären Element der Konstruktion geworden. Historische aber auch jüngere Bauwerke sind Zeugnisse seiner sowohl ästhetischen, als auch funktionellen Bedeutung.

Die Glasindustrie hat sich mit Produkten, die den Anforderungen der Zeit entsprechen, in den Dienst des Planer gestellt. Es entstehen Verglasungen mit hohem technologischen Inhalt, die dazu beitragen, die Häuser komfortabler zu machen.

Es gibt thermoisolierende Platten, farbige filternde und reflektierende Scheiben, gehärtetes Sicherheitsglas, Profilglas, etc. Selbstverständlich hat das Glas auch, wie für Möbel, Beleuchtungskörper und für Geschenk- und Haushaltsartikel, in anderen Bereichen Anwendung gefunden.

In der Tat werden heute auch Möbel aus Glas hergestellt, die immer öfter als Einrichtungselement genutzt werden und den Designern weltweit erlauben, ihre Projekte in die Tat umzusetzen.